In den letzten Jahren ist es für viele Menschen immer spürbarer geworden:
Das tägliche Leben wird teurer.
Ob beim Wocheneinkauf, an der Tankstelle, bei der Heizkostenabrechnung oder bei der monatlichen Miete – fast überall steigen die Preise.
Diese Entwicklung wirft wichtige Fragen auf:
Warum steigen die Preise so deutlich?
Was genau bedeutet der Begriff "Inflation"?
Welche Ursachen stecken hinter der aktuellen Teuerungswelle?
Und wer profitiert eigentlich von dieser Situation – und wer verliert?
Häufig sind es nicht die großen wirtschaftlichen Schlagzeilen, die unsere Wahrnehmung bestimmen, sondern die kleinen, alltäglichen Preissteigerungen.
Der Moment an der Supermarktkasse, wenn der Einkauf plötzlich spürbar mehr kostet.
Die Stromrechnung, die höher ausfällt, obwohl der Verbrauch gleich geblieben ist.
Die Tankfüllung, die ein Loch ins Haushaltsbudget reißt.
Diese scheinbar kleinen Veränderungen haben große Auswirkungen auf das Leben vieler Menschen – und sie geschehen oft schleichend, ohne dass man sich sofort dagegen wehren kann.
Besonders gravierend wird die Situation, wenn die Preise schneller steigen als die Einkommen.
Bleiben Löhne und Gehälter hinter der allgemeinen Teuerung zurück, bedeutet das einen realen Kaufkraftverlust:
Mit demselben Gehalt kann man sich weniger leisten als noch ein Jahr zuvor.
Das führt zu spürbaren Einschränkungen im Alltag und einer sinkenden Lebensqualität für breite Teile der Bevölkerung.
Doch was sind die Ursachen für diese Entwicklung?
Warum trifft uns die Inflation gerade jetzt so heftig?
Und wie lässt sich verstehen, wer in dieser Situation Vorteile hat – und wer besonders leidet?
Dieser Beitrag will diese Fragen systematisch und verständlich beantworten.
Wir werden gemeinsam betrachten, was Inflation eigentlich ist, welche Faktoren aktuell besonders stark auf die Preise wirken und welche Folgen daraus für Gesellschaft und Wirtschaft entstehen.
Denn nur wer die Mechanismen hinter der Teuerung versteht, kann sich eine fundierte eigene Meinung bilden – und möglicherweise bessere Entscheidungen im eigenen Alltag treffen.
1. Was ist Inflation überhaupt?
Inflation beschreibt den Prozess, bei dem das allgemeine Preisniveau einer Volkswirtschaft über einen bestimmten Zeitraum hinweg ansteigt.
Das bedeutet ganz einfach: Man kann sich mit der gleichen Menge Geld weniger leisten als zuvor.
Ein Euro, der gestern noch für einen Liter Milch gereicht hat, reicht heute vielleicht nur noch für 0,9 Liter.
Inflation ist ein ganz natürlicher Bestandteil von Wirtschaftssystemen – sie tritt fast immer auf, aber in unterschiedlicher Intensität.
Solange die Preissteigerung moderat bleibt (zum Beispiel 1–2 % pro Jahr), wird sie als normal und sogar positiv angesehen. Sie signalisiert eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung, bei der Einkommen und Preise langsam gemeinsam wachsen.
Problematisch wird Inflation dann, wenn sie zu schnell steigt und die Löhne nicht mithalten.
Dann können sich Menschen real immer weniger leisten.
Warum entsteht Inflation?
Inflation kann verschiedene Ursachen haben, die sich oft gegenseitig verstärken. Drei Hauptursachen sind besonders wichtig:
Nachfrageinflation
Von Nachfrageinflation spricht man, wenn die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen größer ist als das Angebot.
Das bedeutet: Viele Menschen wollen gleichzeitig etwas kaufen, aber es gibt nicht genug davon.
Typisches Beispiel:
Wenn vor Weihnachten die Nachfrage nach beliebten Spielkonsolen steigt, können Händler höhere Preise verlangen, weil es mehr Käufer als verfügbare Geräte gibt.
Im großen Maßstab passiert genau das in der Gesamtwirtschaft: Wenn die Menschen mehr Geld zur Verfügung haben und viel konsumieren möchten, aber Unternehmen nicht schnell genug nachproduzieren können, steigen die Preise.
Kosteninflation
Kosteninflation entsteht, wenn die Unternehmen selbst höhere Kosten haben und diese an die Kunden weitergeben.
Das kann verschiedene Ursachen haben:
Höhere Energiepreise: Wenn Strom, Gas oder Treibstoff teurer werden, verteuern sich fast alle Produkte – denn Energie steckt in jeder Produktion.
Teurere Rohstoffe: Wenn Holz, Stahl oder Getreide teurer werden, steigen die Produktionskosten.
Teurere Löhne: Wenn Unternehmen ihren Beschäftigten höhere Löhne zahlen (was an sich gut ist), müssen sie die gestiegenen Kosten auf die Preise aufschlagen.
Kurz gesagt:
Wenn die Herstellung oder Lieferung von Waren teurer wird, merken wir das sehr schnell an der Kasse.
Importierte Inflation
Viele Güter werden nicht im eigenen Land produziert, sondern importiert.
Steigen die Preise im Ausland oder schwächelt die eigene Währung im Vergleich zu anderen Währungen, wird der Import teurer.
Beispiele:
Wenn der Euro im Vergleich zum Dollar an Wert verliert, werden Erdöl und Gas aus den USA für europäische Länder teurer.
Wenn internationale Krisen wie Kriege oder Naturkatastrophen Lieferketten unterbrechen, steigen die Preise importierter Waren.
Importierte Inflation ist besonders schwer zu kontrollieren, weil sie oft von äußeren Faktoren beeinflusst wird, auf die einzelne Staaten kaum Einfluss haben.
Wer leidet besonders unter Inflation?
Inflation trifft nicht alle Menschen gleich stark.
Besonders hart trifft es jene, die einen großen Teil ihres Einkommens für Grundbedürfnisse wie Wohnen, Essen, Heizen und Mobilität ausgeben müssen.
Wenn Lebensmittelpreise um 10 % steigen, merkt das jemand mit knappem Budget sofort.
Wer dagegen ein großes Vermögen besitzt, kann sein Geld in Immobilien, Aktien oder Edelmetallen anlegen, die oft im Wert steigen und so einen gewissen Schutz vor Inflation bieten.
Inflation wirkt also wie eine unsichtbare Steuer:
Sie frisst langsam das Vermögen derer auf, die ohnehin wenig haben – während sie den Wohlstand der Reichsten oft sogar noch vergrößert.
2. Warum erleben wir gerade jetzt so eine starke Teuerung?
Dass die Preise in den letzten Jahren besonders stark gestiegen sind, ist kein Zufall.
Mehrere Ursachen wirken gleichzeitig zusammen und verstärken sich gegenseitig.
Um zu verstehen, warum diese Inflation besonders heftig ist, müssen wir uns die wichtigsten Gründe genau anschauen:
Energiekrise: Gas und Strom als Preistreiber
Energie ist die Basis für nahezu alle wirtschaftlichen Aktivitäten.
Ob bei der Herstellung von Produkten, beim Transport von Waren oder beim Heizen der Wohnungen – überall wird Energie gebraucht.
Als Anfang 2022 der Krieg in der Ukraine ausbrach, verschärfte sich die weltweite Energiekrise dramatisch.
Russland, einer der wichtigsten Gaslieferanten Europas, wurde als Handelspartner unzuverlässig oder sanktioniert. Dadurch sank das Angebot an Gas und Öl – während die Nachfrage hoch blieb.
Ergebnis: Die Preise für Gas, Strom und Treibstoff stiegen rasant an.
Warum ist das so bedeutsam?
Wenn Energie teurer wird, verteuern sich fast alle anderen Produkte mit – denn Energie steckt in der Herstellung, im Transport und oft sogar in der Lagerung von Waren. Die höheren Kosten werden von Unternehmen an die Verbraucher weitergegeben – und die Inflation breitet sich wie eine Welle aus.
Lieferengpässe: Die Nachwirkungen der Corona-Pandemie
Die Corona-Pandemie brachte die weltweiten Lieferketten zum Stillstand:
Häfen waren geschlossen, Fabriken konnten nicht produzieren, Lkw-Fahrer fehlten.
Viele Waren, von Elektronik bis hin zu Rohstoffen, waren plötzlich schwer verfügbar.
Auch nach dem Ende der Lockdowns erholte sich der Welthandel nur langsam.
Es fehlten Container, Arbeiter und Rohstoffe – gleichzeitig stieg die Nachfrage schnell wieder an.
Das Ergebnis:
Produkte wurden knapper und damit teurer.
Geopolitische Spannungen, wie die verschärften Handelskonflikte zwischen China, Europa und den USA, verschärfen diese Probleme zusätzlich.
Je komplizierter der Handel über Grenzen hinweg wird, desto teurer wird es für Unternehmen – und letztlich auch für Konsumenten.
Nachholeffekte: Der große Konsumdrang nach der Pandemie
Während der Pandemie hatten viele Menschen weniger Möglichkeiten, Geld auszugeben. Reisen, Gastronomie, Veranstaltungen – vieles war monatelang unmöglich oder stark eingeschränkt.
Dadurch bildeten sich in vielen Haushalten Ersparnisse.
Als die Beschränkungen fielen, wollten viele Menschen diese Ersparnisse nutzen: Reisen buchen, einkaufen, ausgehen.
Diese plötzliche Nachfragesteigerung traf auf ein Angebot, das noch immer unter den Folgen der Pandemie litt.
Wenig Angebot – viel Nachfrage: Die klassische Situation für steigende Preise.
Ein einfaches Beispiel:
Wenn 1000 Menschen gleichzeitig ein Flugticket kaufen wollen, es aber nur 500 Plätze gibt, steigen die Preise automatisch.
Gewinnmitnahmen: Unternehmen nutzen die Krise
Neben den objektiven Gründen gibt es noch einen weiteren, weniger offensichtlichen Faktor:
Manche Unternehmen nutzten die allgemeine Verunsicherung, um ihre Preise stärker anzuheben, als es die eigenen Kostensteigerungen gerechtfertigt hätten.
In der Wirtschaft spricht man von "Preissetzungsmacht":
Große Unternehmen können – besonders in Krisenzeiten – höhere Preise verlangen, weil Verbraucher kaum Alternativen haben oder ihnen die Zusammenhänge nicht durchsichtig sind.
Hinzu kommt:
Krisen bieten eine Art "Rechtfertigungsschirm".
Wenn sowieso alle von "höheren Energiepreisen" reden, werden viele Preissteigerungen gar nicht mehr kritisch hinterfragt – auch wenn sie gar nicht direkt durch gestiegene Kosten verursacht wurden.
Dass einige große Konzerne in der Energie-, Lebensmittel- oder Transportbranche während der Krise Rekordgewinne verbuchten, ist kein Zufall.
Es wirft eine wichtige Frage auf:
Wenn Unternehmen ihre Gewinne steigern können, während normale Haushalte sich immer mehr einschränken müssen – kann es dann wirklich nur an „höheren Kosten“ liegen?
3. Wer leidet, wer profitiert?
Inflation betrifft uns alle – aber nicht alle spüren sie gleich stark.
Je nach Lebenssituation, Einkommen und Besitzstand kann Inflation sehr unterschiedliche Auswirkungen haben.
Wer sind die Verlierer der Inflation?
Am stärksten leiden jene unter der Teuerung, die einen Großteil ihres Einkommens für tägliche Grundbedürfnisse ausgeben müssen.
Zu diesen Gruppen gehören besonders:
Menschen mit niedrigem Einkommen:
Wer nur wenig verdient, muss fast sein gesamtes Einkommen für Miete, Lebensmittel, Energie und Transport aufwenden.
Wenn diese Kosten steigen, bleibt kaum Spielraum – weder für Rücklagen noch für unerwartete Ausgaben.Pensionistinnen und Pensionisten:
Viele Pensionen steigen nur langsam an und können mit der rasanten Inflation nicht Schritt halten.
Gerade ältere Menschen spüren Preissteigerungen bei Heizung, Medikamenten und Lebensmitteln besonders deutlich.Alleinerziehende:
Sie tragen oft die alleinige Verantwortung für die Versorgung einer Familie, haben aber nur ein Einkommen zur Verfügung.
Steigende Preise treffen sie doppelt hart, weil sie kaum Möglichkeiten haben, zusätzliche Einnahmen zu generieren oder Kosten zu teilen.
Für diese Menschen bedeutet Inflation nicht nur eine Verschlechterung des Lebensstandards – sie kann existenzbedrohend werden.
Steigende Mieten, teure Lebensmittel und hohe Heizkosten reißen Löcher ins Haushaltsbudget, die nicht mehr einfach zu stopfen sind.
Wer profitiert von der Inflation?
Während viele Menschen kämpfen, gibt es auch Profiteure der Inflation:
Große Konzerne:
Besonders Unternehmen in der Energiebranche, der Lebensmittelindustrie oder der Bauwirtschaft konnten in den letzten Jahren hohe Gewinne einfahren.
Sie profitieren von der Möglichkeit, Preise zu erhöhen – oft stärker, als es durch gestiegene Kosten gerechtfertigt wäre.Vermögende Menschen:
Wer bereits Immobilien, Aktien, Edelmetalle oder andere Sachwerte besitzt, ist besser gegen Inflation geschützt.
Der Wert solcher Anlagen steigt häufig mit – oder sogar überdurchschnittlich stark – wenn die allgemeine Kaufkraft sinkt.
Dadurch bleibt nicht nur der Wert des Vermögens erhalten, oft wächst er sogar.
Besonders Immobilienbesitzer profitieren doppelt:
Während Mieten steigen und die Nachfrage nach Eigentum zunimmt, erhöhen sich gleichzeitig die Werte der Immobilien.
Menschen ohne eigenes Wohneigentum hingegen sind steigenden Mietkosten oft schutzlos ausgeliefert.
Inflation als gesellschaftlicher Vergrößerer von Ungleichheit
Inflation ist nicht nur ein wirtschaftliches Phänomen – sie hat auch tiefgreifende gesellschaftliche Auswirkungen.
Sie vergrößert die soziale Ungleichheit:
Wer wenig hat, verliert relativ mehr.
Wer viel besitzt, kann sein Vermögen oft noch vermehren.
Langfristig kann dies zu gesellschaftlicher Spannungen führen:
Wenn immer mehr Menschen das Gefühl haben, trotz harter Arbeit den Anschluss zu verlieren, während andere in der Krise profitieren, wächst das Misstrauen gegenüber Politik und Wirtschaft.
Inflation wirkt somit wie ein unsichtbarer Motor, der soziale Unterschiede vergrößert – und das nicht nur in Zahlen, sondern auch im Alltag der Menschen.
4. Was macht die Politik?
Angesichts der spürbaren Teuerung sehen sich Regierungen gezwungen zu handeln.
Doch die politischen Maßnahmen, die bislang ergriffen wurden, sind meist kurzfristig angelegt und setzen eher bei den Symptomen als bei den Ursachen an.
Welche Maßnahmen ergreift die Politik aktuell?
Typischerweise konzentriert sich die staatliche Antwort auf drei Hauptbereiche:
Einmalzahlungen:
Staaten zahlen bestimmten Bevölkerungsgruppen direkte Geldbeträge aus – etwa Energiegutscheine, Heizkostenzuschüsse oder Familienbeihilfen.
Ziel ist es, die unmittelbare finanzielle Belastung etwas abzufedern, etwa bei gestiegenen Strom- oder Heizkosten.Preisdeckelungen:
Für bestimmte lebensnotwendige Güter werden Preisobergrenzen eingeführt.
Beispiele sind die sogenannte Strompreisbremse oder gedeckelte Preise für Gas und Fernwärme.
Die Idee dahinter: Niemand soll seine Wohnung nicht mehr heizen können oder durch explodierende Energiekosten in Not geraten.Steuersenkungen:
Die Mehrwertsteuer auf bestimmte Produkte – etwa Lebensmittel oder Treibstoffe – wird temporär gesenkt, um die Preise für die Verbraucher zu dämpfen.
Damit soll verhindert werden, dass wichtige Güter des täglichen Bedarfs für breite Bevölkerungsschichten unerschwinglich werden.
Warum reichen diese Maßnahmen nicht aus?
Alle diese Ansätze haben eines gemeinsam:
Sie lindern kurzfristig die Symptome der Inflation, bekämpfen aber nicht deren eigentliche Ursachen.
Einmalzahlungen helfen in einem Moment, aber sie gleichen keine dauerhaft steigenden Kosten aus.
Preisdeckelungen entlasten kurzfristig, können aber langfristig zu Marktverzerrungen führen, weil sie Preissignale unterdrücken.
Steuersenkungen reduzieren den Preis bestimmter Güter, mindern aber gleichzeitig die Staatseinnahmen, die später wieder kompensiert werden müssen – oft zulasten anderer öffentlicher Leistungen.
Die Kernprobleme – wie etwa unfaire Marktstrukturen, übermäßige Gewinnmitnahmen großer Unternehmen oder spekulative Preistreiberei auf Rohstoffmärkten – bleiben weitgehend unangetastet.
Pflaster statt Heilung
Die Politik klebt oft Pflaster auf die offensichtlichsten Wunden, ohne sich an die eigentlichen Baustellen zu wagen.
Statt sich mit Fragen wie gerechter Gewinnverteilung, Marktregulierung oder einer nachhaltigen Energieversorgung zu befassen, konzentriert man sich auf kurzfristige Erleichterungen, die zwar öffentlichkeitswirksam sind, aber keine strukturelle Verbesserung bringen.
Diese Herangehensweise mag kurzfristig politische Ruhe schaffen – langfristig aber vertieft sie die sozialen Spannungen und verschiebt die eigentlichen Probleme nur in die Zukunft.
Die große offene Frage
Letztlich bleibt eine zentrale Frage unbeantwortet:
Wer gestaltet eine Wirtschaftspolitik, die nicht nur die Interessen einiger weniger bedient, sondern die breite Mehrheit der Bevölkerung schützt?
Eine gerechte Wirtschaftspolitik müsste sich nicht nur um kurzfristige Entlastungen kümmern, sondern die strukturellen Ursachen für die wachsende soziale Ungleichheit angehen – durch faire Marktregeln, gezielte Unterstützung der Schwächeren und mutige Eingriffe in übermächtige Wirtschaftsbereiche.
Solange diese grundlegenden Fragen nicht gestellt und beantwortet werden, bleibt die Inflation nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein gesellschaftliches Problem.
5. Was können wir als Einzelne tun?
Als Einzelperson haben wir nur begrenzte Möglichkeiten, die Inflation direkt zu beeinflussen.
Wir können weder die Energiepreise senken noch weltweite Lieferkettenprobleme lösen.
Aber wir können aktiv darauf reagieren und versuchen, unsere persönliche finanzielle Situation so gut wie möglich an die veränderten Bedingungen anzupassen.
Hier sind konkrete Strategien, die helfen können:
Preise vergleichen und bewusster einkaufen
In Zeiten hoher Inflation lohnt es sich besonders, Preise zu vergleichen und gezielt nach günstigeren Angeboten Ausschau zu halten.
Das bedeutet nicht, auf alles verzichten zu müssen – sondern klüger einzukaufen:
Nutzen von Sonderaktionen und Rabattangeboten
Vergleich von Marken- und Eigenmarkenprodukten
Preisvergleichsportale und Apps verwenden, um günstige Anbieter zu finden
Gerade bei regelmäßigen Ausgaben wie Lebensmitteln oder Haushaltsprodukten können so über Monate hinweg spürbare Einsparungen erzielt werden.
Sparsames Heizen und energieeffizientes Wohnen
Energiepreise sind einer der Haupttreiber der aktuellen Inflation.
Schon kleine Verhaltensänderungen im Alltag können helfen, den Energieverbrauch und damit auch die Kosten zu senken:
Räume nur auf die notwendige Temperatur heizen (z. B. 20 °C im Wohnzimmer statt 24 °C)
Heizkörper nicht durch Möbel oder Vorhänge blockieren
Türen zu weniger genutzten Räumen geschlossen halten
Energiesparlampen verwenden und Geräte nicht im Standby-Modus lassen
Jede Kilowattstunde, die eingespart wird, entlastet nicht nur das eigene Budget, sondern schont auch Ressourcen.
Finanzielle Rücklagen aufbauen
Inflation bedeutet Unsicherheit – und finanzielle Sicherheit wird wichtiger denn je.
Wer die Möglichkeit hat, sollte versuchen, kleine Rücklagen zu bilden:
Monatlich einen festen Betrag auf ein separates Sparkonto überweisen (auch kleine Beträge helfen langfristig)
Unnötige Ausgaben bewusst reduzieren und Prioritäten setzen
Rücklagen zuerst für Notfälle (z. B. unerwartete Reparaturen) aufbauen, bevor größere Anschaffungen geplant werden
Selbst ein kleines Polster kann helfen, finanzielle Engpässe zu überbrücken und mehr Handlungsspielraum zu behalten.
Bewusster Konsum: Regional und saisonal einkaufen
Regionale und saisonale Produkte sind oft weniger stark von globalen Preisschwankungen betroffen.
Wer bewusst auf Produkte aus der eigenen Region setzt, unterstützt nicht nur lokale Anbieter, sondern reduziert auch die Abhängigkeit von teuren Importen.
Beispiele:
Frisches Obst und Gemüse der Saison bevorzugen statt importierte Ware
Direkt bei Bauernmärkten oder lokalen Produzenten einkaufen
Auf kurze Transportwege achten, um versteckte Kosten durch hohe Energiepreise zu vermeiden
Gleichzeitig trägt bewusster Konsum dazu bei, nachhaltigere Wirtschaftsstrukturen zu stärken – ein kleiner, aber wichtiger Beitrag zur Stabilisierung.
Kein Grund zur Panik – aber Grund zur Wachsamkeit
Wichtig ist: Inflation bedeutet nicht, dass wir in Panik verfallen oder unser Leben komplett einschränken müssen.
Es geht vielmehr darum, bewusster mit dem eigenen Geld umzugehen, eigene Prioritäten zu setzen und sich nicht von der allgemeinen Unsicherheit treiben zu lassen.
Besonders wichtig:
Man sollte sich nicht von der oft kolportierten Behauptung irritieren lassen, dass die Menschen "über ihre Verhältnisse leben".
Die meisten Menschen haben in Wahrheit schlicht kaum Spielräume – und nicht einen übertriebenen Lebensstil.
Bewusstes Wirtschaften bedeutet deshalb nicht Verzicht auf Lebensqualität, sondern eine aktive und selbstbestimmte Auseinandersetzung mit der eigenen finanziellen Situation.
Zusammenfassung: Teuerung und Inflation – mehr als nur ein wirtschaftliches Problem
Teuerung und Inflation sind keine Naturereignisse wie Stürme oder Erdbeben, die einfach über uns hereinbrechen und unvermeidlich sind.
Sie sind menschengemachte Entwicklungen, die aus einer Kombination politischer Entscheidungen, globaler Krisen und wirtschaftlicher Dynamiken entstehen.
Politische Entscheidungen bestimmen, wie stark ein Land auf Krisen reagiert, wie Märkte reguliert werden und wie gerecht Wohlstand verteilt ist.
Globale Krisen – wie Pandemien, Kriege oder Naturkatastrophen – können Märkte stören, Lieferketten unterbrechen und damit Preisschübe auslösen.
Wirtschaftliche Interessen spielen eine große Rolle: Unternehmen, die in Krisenzeiten ihre Preise stärker erhöhen, als es ihre Kosten rechtfertigen, tragen dazu bei, die Inflation zusätzlich anzuheizen.
Besonders beunruhigend ist, dass die Lasten ungleich verteilt sind:
Jene, die am wenigsten haben, zahlen den höchsten Preis.
Sie spüren die steigenden Kosten für Miete, Lebensmittel und Energie direkt in ihrem täglichen Leben.Jene, die am meisten haben, können sich nicht nur besser schützen, sondern oft sogar profitieren – sei es durch steigende Gewinne oder wachsende Vermögenswerte.
Diese Entwicklung legt eine tieferliegende Schieflage im System offen:
Ein Wirtschaftssystem, das in Krisenzeiten die Schwächsten stärker belastet und den Stärksten neue Vorteile verschafft, gerät in eine Schieflage, die auf Dauer den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährdet.
Die zentrale Frage, die bleibt, ist deshalb nicht nur eine wirtschaftliche, sondern eine gesellschaftliche:
Wo bleibt der Mut für eine echte Veränderung?
Eine Veränderung, die nicht nur kurzfristige Symptome bekämpft, sondern die strukturellen Ursachen angeht.
Eine Politik, die sich an Gerechtigkeit und Gemeinwohl orientiert – und nicht daran, kurzfristige Interessen einzelner Gruppen zu schützen.
Solange diese Fragen unbeantwortet bleiben, wird Inflation nicht nur unseren Geldbeutel, sondern auch das Vertrauen in Wirtschaft und Politik weiter aushöhlen.


